Geschrieben von Max Schlenker

Bei unserem letzten Besuch im Staatsarchiv Freiburg fiel uns ein Aktenstück mit einem bemerkenswerten Titel in die Hände: „Eichsel, Adelhausen u. Ottwangen - Gemeindenwiedervereinigung, 1806“. Dass es nicht dazu kam, ist aus der Retrospektive natürlich bekannt. Aber der Weg dorthin ist durchaus spannend. 

Antrag der Gemeinde Eichsel auf Wiedervereinigung mit Adelhausen, Ottwangen und Rapperswyher von 1806

1806 wendet sich die Gemeinde Eichsel an die großherzogliche Regierung und meldet: „Vor einigen Jahren trugen es sich durch entstandene Missfalligkeiten zu, daß der Gemeinde Adelhausen (…) gestattet wurde, einen eigenen Vorgesetzten dergestalt zu wählen, daß derselbe unter dem Eichsler Staab stehen sollte.“ Damit dürfte ein Vorgang noch unter vorderösterreichischen Zeiten von 1789 gemeint sein, über den wir an anderer Stelle kurz berichtet hatten

Doch Vorderösterreich gibt es 1806 nicht mehr und nun versuchen die Eichsler ihr Glück bei der großherzoglichen Regierung. Denn glücklich scheinen sie mit der Kompetenzerweiterung der Adelhuser nicht zu sein. In einer zwölfseitigen Liste begründen die Eichsler nun, warum eine Zusammenlegung wieder sinnvoll sei.

Die beiden Gemeinde seien nur „eine kleine halbe Stunde von einander entfernt“ und eine Teilung deshalb sinnlos. Es gäbe so viele Wiesen, Wälder und Felder, die gemeinsam verwaltet werden würden. Doch durch die Gemeindetrennung werden auch Abgaben und Steuern separat erhoben, was den bürokratischen Aufwand sehr kompliziert machen würde.

Aber noch viel schlimmer für die Eichsler: Der Vorgesetzte von Adelhausen würde „eigenmächtige Einrichtungen“ machen und „Gemeinds-Amten nach Willkühr besetzen“ und verhält sich überhaupt nicht, „wie es einem verpflichteten Vorgesetzten zusteht“. Großer Streitpunkt ist natürlich auch die Gemeinderechnung, die beide Gemeinden zusammen führen - doch vom Adelhuser Vorgesetzten nicht anerkannt werden würde. Die Eichsler geben hierzu sogar an, dass das selbst den Adelhusern unangenehm wäre, und diese ebenso eine Wiedervereinigung wünschen würden. 

Das Anliegen der Eichsler wurde bei der großherzoglichen Regierung jedenfalls gleich ernst genommen. Drei Tage nach Eintreffen des Schreibens wurde das Kammeralamt in Nollingen darum gebeten, einen Bericht über die Sache zu erstellen. Wie es weiterhin, erfahrt ihr im nächsten Teil. 

Quelle:

Generallandesarchiv Karlsruhe; 239 Nr. 3425; Die Wiedervereinigung der Gemeinden Eichsel, Adelhausen und Ottwangen (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-2101719)