Geschrieben von Daniel Kähny und Max Schlenker (Teil 1)

Korrektur 31.10.21 Tavern Gerechtigkeit (siehe unten)

Meine Mutter Hedel (geb. Sutter) wurde in Gersbach geboren. Mit 9 Jahren zogen sie und ihre Familie nach Adelhausen. Der Name der Sutters war direkt verbunden mit der Gastwirtschaft zur Sonne. Deshalb wurden die Kinder auch immer als „Sunnewirth’s Maidli und Buebe" bezeichnet. Bei älteren Gersbachern ist das heute noch ein Begriff.

Die Gastwirtschaft zur Sonne gibt es schon lange nicht mehr. Selbst meine Mutter (Jahrgang 1928) und ihre Geschwister wussten von dieser Epoche nichts mehr. Das Gebäude und viele Dokumente und Bilder aus jener Zeit fielen 1937 einem Brand zum Opfer. Recherchen in Archiven haben jedoch einige interessante Aspekte dieses Teils der Geschichte hervorgebracht, die ich in diesem und weiteren Blogbeiträgen erzählen werde.

Beantragung einer Concession zum Betrieb einer Tavern von Andreas Sutter vom 19. Oktober 1739

Beim Landesarchiv in Freiburg bin ich auf die Akte „Gastwirtschaft zur Sonne; B 740/1 Nr. 1368" gestoßen. Mit dieser Akte von über 50 Seiten lässt sich die Geschichte der Sonne fast komplett rekonstruieren. Eine weitere hervorragende Hilfe sind die Ortssippenbücher von Schopfheim, Hausen im Wiesental und Gersbach, herausgegeben vom Geschichtsverein Markgräfler Land. Mit beiden Dokumenten konnte ich die komplette Liste der „Sonnewirte“ und verwandschaftlichen Verhältnisse erstellen.

Erster Wirt war Andreas Sutter (1697-1776), mein 6-fach Urgroßvater. Er muss ein angesehener und wahrscheinlich wohlhabender Mann gewesen sein. 1718 heiratete er die älteste Tochter des Vogtes Hans Ühlin. Er war Stabhalter von Gersbach (1732-1743), Waisenrichter (eine Art Nachlassverwalter), Sonnenwirt und Marchmann (Quelle: Ortssippenbuch von Gersbach).

Im Oktober 1739 begab er sich auf das Oberamt Rötteln, wo der "... Stabhalter Andreas Sutor zu Gersbach untertthänigst eine Wirts-Tavern Gerechtigkeit aufzurichten um gnädigste Erlaubnis" bittet. Von dem Namen Sonne ist in diesem Schreiben nichts zu finden, sondern von der "Tavern Gerechtigkeit". Tavern Gerechtigkeit war damals der Begriff für eine Schankerlaubnis. Näheres hierzu findet ihr im nächsten Beitrag zum Thema "Sonne". 

Dieses Schreiben geht dann vom Oberamt Rötteln nach Karlsruhe zur zuständigen "Fürstl. Markgräfl. Baden Durlach Hofraths-Expedition". Dieses stimmt dann dem " ... anverwahrten unterthänigsten Gesuch des Stabhalters Andreas Sutter zu Gersbach um die Tavern Gerechtigkeit auf seiner Behausung ..." am 17. November 1739 zu und weist das "fürstlichen Renth-Cammer Collegium" an, diese Genehmigung zu erteilen.

Andreas Sutter (Sutor) war somit erfolgreich und kann die "Gerechtigkeit" Taverne in seiner Behausung errichten. Der umfangreiche Schriftverkehr aus dem Jahre 1739 birgt noch viele Details und Informationen, über die wir in einem weiteren Artikel berichten.

 

 

 

 

 

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